Der Klügere liest rot.

Filipp

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Faye ist 24 Jahre alt und studiert Germanistik und Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen. Bei utb absolviert Faye ihr 3-monatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt“ ist also eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Faye stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind - und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Faye hast oder selbst vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Filipp

Filipp ist 27 Jahre alt und hat Stadt- und Regionalentwicklung im Master an der Universität in Bremen studiert. Seinen Bachelor (Soziologie und Linguistik) hat er in Tübingen gemacht. Studiertier hat ihn sich geschnappt und fragt...

1. Bei Stadt- und Regionalentwicklung denkt man zuerst an Architektur und Stadtplanung. Doch was steckt wirklich hinter deinem Studiengang, was macht ihr da genau?

„Entwicklung“ von Städten und Regionen kann man von zweierlei Seiten betrachten: Einerseits als gezieltes Entwickeln, also mehr oder weniger Planung. Andererseits als ein eher passives Entwickelt-Werden, also wie Städte und Regionen sich im Zusammenspiel mit diversen Phänomenen entwickeln. Im Prinzip ist das ein Master in Sozial- oder Humangeographie, mit Städten als Schwerpunkt. Es geht nicht konkret um Planen und Bauen, sondern eher darum, was man planen und bauen sollte. Oder wie sich etwas Geplantes und Gebautes auf die Stadt oder die Region auswirkt. Der Studiengang ist sehr soziologisch ausgerichtet und insgesamt forschungsorientiert.

2. Von Tübingen nach Bremen - was hat dich dazu bewegt, anstatt in einer kleinen Studentenstadt in einer so großen Stadt wie Bremen weiterzustudieren? So weit wegzuziehen ist bestimmt ein Kulturschock für dich gewesen...

Ich wollte einfach mal ganz woanders hin und in eine deutlich größere Stadt als Tübingen. Nach Österreich wäre auch eine Möglichkeit gewesen, aber da gab es keinen Studiengang, der mich so richtig interessiert hätte. Es war schon ein Kulturschock: Die Mentalität der Leute ist grundverschieden und ich war überrascht, wie viele alltägliche Dinge ganz anders sind. Die Sprache ist anders, es gibt andere Lebensmittel, das Klima und so weiter. Fast wie ein Auslandsstudium - ich musste mich erst daran gewöhnen, aber es war eine gute Erfahrung und eine tolle Zeit.

3. Was fasziniert dich genau an Städten und in welchen sollte man mal gewesen sein?

Mich fasziniert, dass sich eine komplette Stadt kaum planen lässt, sondern dass sie sich konstant entwickelt, unter ganz verschiedenen Einflüssen. Und es ist interessant, nachzuvollziehen, warum gewisse Entwicklungen stattgefunden haben und sich zu fragen, welche künftigen Entwicklungen sinnvoll wären. Insofern ist Berlin historisch natürlich spannend, auch wenn es derzeit vor allem durchkommerzialisiert wird. Wien lohnt sich, weil es ähnlich groß ist wie Berlin und doch ganz anders. Von der Fahrradfreundlichkeit Amsterdams und Kopenhagens können sich deutsche Städte etwas abschauen. Ansonsten finde ich in Europa Brüssel und London spannend, weil beide in sich sehr gegensätzlich sind, so etwas gibt es bei uns nicht. In Deutschland finde ich auch Frankfurt und Düsseldorf interessant, weil es sehr internationale und urbane Städte sind, obwohl sie beide nicht sehr groß sind.

4. Als Soziologe bist du immer an gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert und analysierst gerne Menschen. Bist du immer auf der Suche nach einer utopischen Gesellschaft oder weshalb beschäftigst du dich mit den Eigenarten und Gewohnheiten des menschlichen Wesens?

Als Soziologe interessiert mich vor allem der Mensch als gesellschaftliches Wesen. Es geht also nicht um Menschen an sich, sondern um Menschen innerhalb der Gesellschaft und unter Einfluss gesellschaftlicher Verhältnisse. Utopien hat man möglicherweise als Soziologe auch, aber das ist eher die Aufgabe der Philosophie. In der Soziologie geht es vor allem darum, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu erklären.

5. Die Masterarbeit hast du vor einigen Wochen abgegeben: Was ist das für ein Gefühl, fertig mit dem Studium zu sein? Hast du schon Pläne, wie es nach dem Abschluss nun weitergehen soll?

Es hat in meinem Fall etwas zu lange gedauert, bis die Arbeit fertig war. Es ist vor allem eine große Erleichterung, denn jetzt kann ich mich den ganzen anderen, neuen, interessanten Themen widmen, auf die ich in letzter Zeit gestoßen bin, für die ich aber aufgrund der Arbeit einfach keine Zeit hatte. Auf Jobsuche werde ich mich erst begeben, wenn mein Zeugnis da ist. Ich würde gerne selber forschen, aber auch Lehre oder Schulungen wären interessant. Eigentlich wollte ich mal zur Zeitung, aber möglicherweise entscheide ich mich doch für etwas anderes.

Filipps Buchtipp

Stadtgeographie

Von utb habe ich mich sicher am meisten mit der Stadtgeographie-Einführung von Heinz Heineberg et al. beschäftigt. Ein sehr umfangreiches Buch mit vielen Grafiken, Karten, Bildern. Optimal als Nachschlagewerk und eine sehr gute Inspirationsquelle – man stößt jedes Mal auf etwas Neues.

Gespannt bin ich auch auf den Gentrifizierung-Band von Friedrichs und Glatter, der 2017 erscheinen soll. Die beiden Autoren sind absolute Experten eines Themas, das in der Forschung mal eine grundlegende Reaktivierung und Neuausrichtung bräuchte.

Du suchst nach passender Literatur für DEIN Studium? Dann besuche uns auf http://www.utb-shop.de/