Der Klügere liest rot.

Resi

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Christina ist 22 Jahre alt und studiert Buchwissenschaft und Ökonomie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bei utb absolviert Christina ihr 3-monatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt“ ist also eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Christina stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Christina hast oder selbst vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Resi

Die Welt sehen, arbeiten, sehr gute Noten schreiben, sich für andere einsetzen, ... Resi  hat immer einiges zu tun. Zur Zeit studiert sie Computational Engineering im Master. Studiertier hat sie sich geschnappt und fragt...

1. Bevor du deinen Bachelor in Mechatronik gemacht hast, hast du zwei Semester Maschinenbau in Edinburgh studiert. Wieso ausgerechnet in Schottland und wie hat es dir gefallen?

Tja, das war eben eine Option und dann die, die am besten geklappt hat: ich wollte unbedingt nach dem Abi ins Ausland und hatte auch schon eine Idee, dass ich "irgendwas mit Ingenieur" machen möchte. Außerdem war Englisch meine einzige Fremdsprache. Also hab ich mich einfach mal an der Napier University beworben - die Studiengebühren sind in Schottland viel niedriger als in England! - und wurde angenommen. Als es dann auch mit einem Praktikum in Indien nichts wurde, bin ich dann tatsächlich für ein Jahr nach Edinburgh gezogen. Das hat mir echt gut getan, der kleine Kulturschock, die vielen netten Menschen, alles. Nach einem Jahr hat es mich dann aber schon wieder zurück nach Deutschland gezogen, und da hab ich auch gleich noch die Chance genutzt, zu Mechatronik zu wechseln. Ein bisschen Fernweh ist mir aber schon geblieben.  

2. Jetzt studierst du im Master Computational Engineering. Wie kann man sich deinen Unialltag vorstellen?

Mittlerweile besteht mein Studium hauptsächlich aus Programmieren und manchmal Matheaufgaben oder Dateninterpretation. An CE gefällt mir wirklich gut, dass man fast immer in kleinen Gruppen arbeitet. Das kann zwar auch nerven, aber wenn die Gruppe gut funktioniert, macht es richtig Spaß.

3. Wie fühlt es sich an umzingelt von so vielen Männern zu sein? Von technischen Studiengängen hört man das ein oder andere Klischee – zum Beispiel, dass man die einzige Frau im Studiengang ist. Kannst du das bestätigen? Und mit welchen Klischees hast du zu kämpfen?

Umzingelt fühle ich mich nie, im Gegenteil, ich hab ein paar gute Freunde - und Freundinnen - hier gefunden. Tatsächlich musste ich mich "als Frau" ab und zu beweisen, aber sobald mein Gegenüber merkt, dass ich fachlich gut bin, ist es auch meistens vorbei mit dem Mansplaining. Die allgemeinen Klischees erfülle ich manchmal, z.B. dass wir Ingenieur*innen alles optimieren müssen. Ein Klischee, das ich nicht bestätigen kann, ist dass wir Technikmenschen besonders introvertiert oder sozial inkompetent wären. Das Klischee, dass ich "bestimmt die einzige Frau im Studiengang" bin, höre ich auch ab und zu mal. Natürlich stimmt das nicht: in meinem bisherigen Studium waren wir immer so 10-15% Frauen, an der technischen Fakultät insgesamt sind wir um die 20%.  

4. Du engagierst dich in der Hochschulpolitik, hast sehr gute Noten, arbeitest nebenher und bekommst ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Wie bist du zu diesem gekommen und bleibt bei so viel Einsatz noch Zeit für ein Privatleben?

Für das Stipendium wurde ich direkt von der Schule vorgeschlagen, daraufhin habe ich ein Auswahlwochenende besucht. Da ging es um Diskutieren und Präsentieren, und mich hat es gewundert, dass ich aufgenommen wurde und manche andere interessante Person eben nicht. Mir kam die Auswahl recht subjektiv vor. Die wichtigste Herausforderung am Stipendium ist jedenfalls, dass ich mir nicht einreden lasse, ich wäre "was Besseres". Manchmal habe ich leider das Gefühl, dass die Stipendienprogramme genau dazu da sind, uns das weiszumachen. Und du hast Recht, Zeit ist knapp bei mir, gerade das letzte Jahr über, wo ich als gewählte Vertreterin der TechFak unterwegs war. Mein Engagement in der Hochschulpolitik, die bei uns gar nicht so viel mit Politik zu tun hat, hat mir andererseits auch viel Freude und Antrieb gegeben. Aber wenn ich merke, dass es zu viel wird in meinem Kalender, traue ich mich mittlerweile, einfach weniger zu machen, z.B. zu einer bestimmten Zeit heimzugehen und mit meinem Freund Daniel rumzuhängen. Dafür bleiben natürlich Sachen auf der Strecke, die ich gerne noch geschafft hätte. Aber das Leben ist nun mal zu schön, um meine Tage nur vor dem PC und bei Meetings und Sitzungen zu verbringen, auch wenn diese Gegen-Entscheidung manchmal Überwindung braucht.

5. Ein Traum von dir ist, die Welt etwas besser zurückzulassen als du sie vorgefunden hast. Hast du schon konkrete Pläne wie du das umsetzen willst?

Konkrete Pläne - nein. Ich mach' das einfach weiter wie bisher: viele Sachen ausprobieren, und immer in die Richtung gehen, die mich fordert und wo ich an guten Veränderungen arbeiten kann. Ich glaube, das ist die beste Richtung für Weltverbesserung. Der Plan für mein privates Glück ist jedenfalls, irgendwann in einer Familien-WG-Kommune zu wohnen.

6. Zum Abschluss noch dein Lieblingswitz:

Woran erkennst du einen extrovertierten Informatiker? - Er starrt beim Reden auf DEINE Schuhe ;)