Der Klügere liest rot.

Sebastian

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Lisa ist 23 Jahre alt und hat Germanistik und Politikwissenschaft an der Uni Tübingen studiert. Nach einem 6-monatigen Volontariat bei utb im Bereich Marketing beginnt Lisa ein Masterstudium in Deutsche Literatur.

„Studiertier fragt“ ist eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Lisa stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Lisa hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Sebastian

Sebastian ist 24 Jahre alt und studiert „Bildung – Kultur – Anthropologie“ an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Nach seinem Bachelorstudium (Sozialwissenschaften und Anglistik) in Oldenburg ist er für diesen Masterstudiengang extra umgezogen. Studiertier hat ihn sich geschnappt und gefragt...

1. Der Masterstudiengang „Bildung – Kultur – Anthropologie“ wird seit dem Wintersemester 2008/2009 an der Uni Jena angeboten und ist einzigartig in Deutschland. Wie bist du überhaupt darauf aufmerksam geworden und welche Inhalte bietet der Studiengang? Gibt es viele Masterstudierende in diesem Fach?

Auf Vorschlag meiner Freundin, die jetzt auch hier in Jena studiert, haben wir ein paar Masterinfomessen besucht. Die Uni Jena hat einen speziellen Infotag für Masterstudiengänge angeboten. Dort bin ich mit einem Mitarbeiter, der den Stand für „Bildung – Kultur – Anthropologie“ betreute, ins Gespräch gekommen. Vorher hatte ich mich im Internet über den Studiengang informiert und fand die interdisziplinäre Zusammensetzung sehr spannend.

Im ersten Semester gibt es ein Einführungsmodul, das eine Verhältnisbestimmung von Bildung, Kultur und Anthropologie versucht. Der Studiengang verbindet verschiedene Disziplinen: Germanistik, Erwachsenenbildung, Theologie, Soziologie, Politikwissenschaft und Kulturgeschichte. Unsere Kernmodule sind aber Bildungsphilosophie und Bildungsinstitutionen. Parallel zum gesamten Studienverlauf gibt es ein Praxismodul, das an pädagogische Handlungsfelder heranführt und dabei unterstützt, ein eigenes Profil auszubilden, sei es über Praktika oder den Besuch von wissenschaftlichen Tagungen.

Wir haben mit 23 Leuten angefangen, mit mir nur vier Jungen. Das Ganze verläuft sich aber, da die Seminarauswahl und der Studienverlauf recht variabel sind. Dieses Wintersemester fangen 18 Studierende an. Die Veranstaltungen bleiben dadurch immer überschaubar.

2. Nach dem Bachelorabschluss wissen viele Studenten nicht genau, ob sie sich ins Berufsleben stürzen oder an der Uni bleiben sollen. Warst du dir von Anfang an sicher, dass du weiterstudieren möchtest? Wenn ja, warum?

Ich war mir am Ende meines Bachelorstudiums sehr sicher, dass ich weiterstudieren möchte. Irgendwie war da dieses diffuse Gefühl, alles nur oberflächlich angerissen zu haben und die richtig spannenden Sachen noch gar nicht zu wissen. Außerdem hat mir das Studieren zu dem Zeitpunkt und auch jetzt noch sehr viel Spaß gemacht. Viele meiner KommilitonInnen sind direkt irgendwo eingestiegen, beispielsweise in die Marktforschung oder in pädagogischen Einrichtungen. Ich möchte mich aber gerne noch weiterqualifizieren, damit ich in der Flut von Absolventen pädagogischer und sozialwissenschaftlicher Fächern nicht untergehe. Natürlich ist mir bewusst, dass mein Master ein ziemlicher Exot ist, ich denke aber, gerade das macht ihn interessant. Prinzipiell würde ich sagen, dass es nicht die Entscheidung Universität ODER Job ist. Einige meiner KommilitonInnen sind im Teilzeitstudium und arbeiten nebenher.

3. Für den Master „Bildung – Kultur – Anthropologie“ bist du extra vom Norden nach Jena gezogen. Was ist das Besondere an diesem Studiengang? Welche Voraussetzungen muss man erfüllen und welchen Bachelorabsolventen kannst du ihn besonders empfehlen?

Das Besondere ist die Herangehensweise. Mit Pädagogik verknüpfen viele Leute entweder nur Schule oder nur Praxis. Pädagogik benötigt aber auch Theorie und besonders eine Reflexion des pädagogischen Handelns. Das ist wohl das Besondere am Studiengang und das ist es auch, was mich daran reizt. Außerdem kommen in dem Studiengang viele verschiedene Menschen zusammen, die alle unterschiedliche Dinge studiert haben. Klar, ErziehungswissenschaftlerInnen und SoziologInnen sind immer dabei, wir haben zum Beispiel aber auch GermanistInnen, AmerikanistInnen und AbsolventInnen von der Berufsakademie. Viele haben bereits berufliche Erfahrungen gemacht. Der Studiengang lebt von der Zusammensetzung der Gruppe.

Die Voraussetzungen sind nicht sehr hoch. Es wird eine moderne Fremdsprache auf Abiturniveau benötigt, das ist meistens Englisch. Ein Essay gehört zur Bewerbung dazu. Da kann man schreiben, wieso man gut zu dem Studiengang passt.

Zu wem der Studiengang genau passt, ist schwer zu sagen. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, zu wem er nicht passt: Wer nicht gerne liest und sich mit theoretischen Fragestellungen auseinandersetzt, ist definitiv falsch. Schwierig wird es auch, wenn man ein klar definiertes Berufsfeld erwartet. Man sollte offen für die verschiedenen Themengebiete sein und neugierig an neue Sachen herangehen.

4. Dein Masterstudiengang ist interdisziplinär angelegt und verbindet verschiedene Themengebiete miteinander. Was gefällt dir dabei am besten und wie sieht ein typischer Uni-Tag in deinem Fach aus?

Mir gefällt besonders die Verknüpfung von Philosophie und Pädagogik. Ich setze mich gerade intensiv mit Gerechtigkeitstheorien auseinander und überlege, wie gerechte Bildung in der globalisierten Welt funktionieren kann.

Ein typischer Uni-Tag setzt sich aus Veranstaltungen verschiedener Themengebiete zusammen: Im ersten Semester hatte ich beispielsweise Vorlesungen in Erwachsenenbildung, Germanistik und eine Ringvorlesung „Bildung – Kultur – Anthropologie“, wo es jede Woche einen anderen Vortrag von MitarbeiterInnen des Instituts gab. Ergänzt wurde das durch Seminare und einen Lesekreis. Der Zeitaufwand des Studiums ergibt sich definitiv nicht aus den Seminaren. Wir unterhalten uns viel, gehen gemeinsam essen oder in die Cafeteria. Wenn es warm ist, wird das Seminar schon mal in den Garten der Bibliothek verlagert. Im Idealfall ist das Studium eher Lust als Frust.

5. Auch das Masterstudium geht einmal zu Ende… Welche Berufsbereiche stehen Absolventen von „Bildung – Kultur – Anthropologie“ offen?

Die Beschreibung des Studiengangs spricht von „berufliche[n] Tätigkeiten, die auf Analyse, Kritik und Konzeption von Bildung, Kultur und Anthropologie angewiesen sind“. Was das genau bedeutet, muss wohl jede/jeder für sich selbst entscheiden. Ich denke, dass viele meiner KommilitonInnen in Bildungseinrichtungen unterkommen und da an der Planung von Veranstaltungen – besonders im kulturellen Bereich – mitwirken werden. Andere finden sicherlich in Verwaltungen eine Anstellung oder nehmen Lehrtätigkeiten auf. Es bleibt der eigenen Schwerpunktbildung überlassen, was man später macht. Der Studiengang zielt aber eigentlich darauf ab, wissenschaftlichen Nachwuchs zu bilden. Da er dezidiert forschungsorientiert ausgeschrieben ist, wird ein Teil der Studierenden auch an der Universität oder einer Forschungseinrichtung arbeiten. Ich kenne einige AbsolventInnen, die jetzt in Jena oder Umgebung bei Lehrenden des Instituts für Bildung und Kultur promovieren.

Sebastians Buchtipp

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Ausgehend von Stichworten erläutern Ralf Koerrenz und Michael Winkler die Grundlagen der Pädagogik. Themen sind u.a. Allgemeine Pädagogik, Bildung und Erziehung, Historische Pädagogik, Sozialer Wandel, Sozialpädagogik, Volksbildung oder Reformpädagogik.

Sebastian kennt die beiden utb-Autoren sogar, da sie am Institut für Bildung und Kultur der Uni Jena forschen und lehren.

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