Der Klügere liest rot.

Sandrine

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Carina ist 28 Jahre alt und hat Germanistik und Geschichte an der Universität Trier studiert. Bei utb absolviert Carina ein 3-monatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt“ ist also eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Carina stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Carina hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Stefan

Die "Wahlwochen" bei utb gehen in die heiße Phase!

Geschichtsstudent Stefan gibt seine Einschätzung zur Wahl und zur (Hochschul)Bildungspolitik.

1. Studenten gelten als politisch engagiert, ob in der lokalen Politik oder der Hochschulpolitik. Wie sind deine Erfahrumgen? Bist du selbst engagiert?

Generell finde ich es toll, wenn sich Leute engagieren. In der Hochschule kann man zwar auf lange Sicht etwas bewegen, auf die kurze Zeitspanne des eigenen Studiums nur recht wenig – insofern ist es wirklich klasse, dass sich hier Kommilitonen aktiv einbringen, ohne selbst nachhaltig davon profitieren zu können.

Ich war früher in der Lokalpolitik engagiert, aber habe eigentlich mit dem Studium das Engagement zurückgefahren. Das lag bei mir auch darin begründet, dass ich unter dem Semester in München wohne und während der Semesterferien bei meinen Eltern war. Die doppelte Wohnsituation ist da etwas schwierig für Kontinuität.

2. Für wie wichtig hältst du politisches Engagement an der Universität?

Generell ist es gut, dass die Studenten – als der Empfänger der Bildungsleistungen – die Möglichkeit haben, sich zu artikulieren und eigene Ideen einzubringen. Wenn man den Zweck der Unis sieht, sollte das sogar noch stärker möglich sein. Auf Seiten der Leute, die sich engagieren, gibt es halt immer das Problem, dass wenig Kontinuität besteht, da das Studium, meist nach wenigen Jahren endet.

3. Welche bildungspolitischen Themen interessieren dich?

Spannend finde ich die Umgestaltung vieler Studiengänge von Magister auf Bachelor/Master. Auch das Thema Studiengebühren ist natürlich wichtig.

4. Welche Themen schätzt du als Wahl entscheidend ein?

Schwierig zu sagen. Die Schulden- und Finanzkrise ist in aller Munde – aber hier haben die etablierten Parteien ja keine echten Alternativrezepte. Aber insofern könnte es entscheidend sein, dass die Opposition auch nichts Grundlegendes ändern würde.

5. Bildung ist Sache der Länder. Wie beurteilst du die Bezeichnung der Bildung als "Föderalismusopfer"? (Interview Korte/Hesse 08/2013; www.audimax.de/bundestags wahl-2013/)

Dass Bildung Ländersache ist, finde ich generell in Ordnung. Auch wenn über die Qualität des Abiturs gestritten wird, sieht man an der Uni ja keine großen Unterschiede bei den Leuten aus verschiedenen Bundesländern – im Job später nivelliert sich das dann noch mehr. Daher wäre es insgesamt schön, wenn mehr Einheitlichkeit in den großen Dingen besteht (Dauer der Schule, Schulsysteme, Studienabschlüsse). Ansonsten ist es durchaus wünschenswert, dass es eine gewisse Vielfalt gibt, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, andern Studienfächern etc.

6. Angela Merkel hat bereits 2008 (Festrede zum 60. Geb. der Marktwirtschaft vom 13.06.2008 in die "Welt"; www.welt.de/politik/article2098136/Merkel-ruft-die-Bildungsrepublik-Deutschland-aus.html) die "Bildungsrepublik Deutschland" ausgerufen. Aktuell wirbt die Bundesregierung auf ihrer Internetseite ebenfalls mit diesem Ausruf. Wie stehst du dazu?

Generell ist es gut, wenn Bildung im Fokus steht und etwas dafür getan wird. Allerdings ist das oft ein Posten, an dem schnell wieder gespart wird, weil Studenten keine so starke Lobby haben und in der Politik, insbesondere in den Parlamenten, extrem unterrepräsentiert sind. Ich hoffe, dass die Bildungspolitik mehr an Nachhaltigkeit gewinnt – jedenfalls sind dort die Milliarden besser angelegt als in irgendwelchen Schutzschirmen….

7. Was würdest du ändern in Bezug auf die (Hochschul)bildungspolitik bzw. welche Veränderungen wünschst du dir als Student seitens der (Länder)Politik?

Es sollte meines Erachtens ein einheitlicher Rahmen geschaffen werden – es kann ja nicht sein, dass die Studenten in Bayern Studiengebühren bezahlen müssen, während in vielen anderen Ländern das Studium kostenlos ist. Insbesondere für die bayerischen Studenten ist das irgendwie der Hohn, wenn man hört, dass Bayern im Wege des Länderfinanzausgleichs Geld an solche Länder bezahlt. Das fühlt sich so an, als ob die Studenten den Länderfinanzausgleich leisten müssen. Aber zum Glück fällt die Studiengebühr ab dem WS 2013/14 weg.

Im Übrigen wären ein einheitlicher Rahmen bei den Abschlüssen wichtig, weil das dann auch eine bessere Vergleichbarkeit bringt. Ansonsten finde ich es gut, dass bei den Studieninhalten eine Vielfalt existiert – wenn zu viel zentral abgestimmt werden muss, passiert oft gar nichts und so können einzelne Länder bzw. die Universitäten eine Vorreiterolle einnehmen.

8. Wählen gilt als bedeutendste politische Partizipationsform, dennoch ist in den letzten Jahren eine abnehmende Wahlbeteiligung zu verzeichnen. Stehen wir vor einem Demokratieabbau /-verfall?

Ich denke, dass die geringer werdende Wahlbeteiligung daran liegt, dass die meisten Leute keine echte Veränderung für sich selbst feststellen können aufgrund ihrer Wahlentscheidungen. Im Ergebnis liegen die Parteien ja nicht so weit auseinander, so dass es eine richtig große Alternative nicht gibt. Außerdem sind die Wähler ja auch Realisten – selbst wenn man für mehr Umweltschutz eintritt und GRÜN wählt, führt das zu höheren Kosten (wie durch die Energiesteuer), was sich für jeden einzelnen wieder nachteilig bemerkbar macht. Insofern ist auch für Idealismus wenig Platz.

Viele wählen ja bewusst nicht – insofern sehe ich keinen Demokratieabbau. Demokratie gibt den Leuten die Möglichkeit zur Mitbestimmung. Wenn man – aus welchen Gründen – darauf verzichtet, ist das Sache des Einzelnen. So lange die Option besteht, existiert echte Demokratie. In Bayern wird die Demokratie durch die Möglichkeit lokaler Bürgerbegehren sogar gestärkt. Die Tatsache, dass das aber selten dazu kommt, zeigt ja, dass die Politik dann doch oft den Willen der Bürger umzusetzen bereit ist.

9. Hast du schon einmal den Wahl-O-Mat ausprobiert? Wenn ja, hast du auch tatsächlich die Partei gewählt, die dir angezeigt wurde?

Nein – bisher noch nicht.

10. Wenn du eine Prognose abgeben müsstest: Was erwartet uns bei der bevorstehenden Wahl, ein Personen- oder ein Programmwahlkampf? Bleibt Angela Merkel Bundeskanzlerin? Wie hoch schätzt du die Wahlbeteiligung ein?

Ich denke, dass die CDU einen Personenwahlkampf mit Angela Merkel führen wird. Sie genießt ja insgesamt hohes Ansehen in der Bevölkerung und hält sich auffallend stark aus der Tagespolitik raus, um sich nicht in Grabenkämpfen zu verschleißen, sondern um ihr Staatsmann/frau-Image zu pflegen. Die SPD hat da mit ihrem Kandidaten ein Image-Problem und wird verstärkt auf Sachthemen setzen. Die Grünen und die Linke führen generell Sachthemen als Ziel. Die FDP hat es etwas schwierig, Profil zu zeigen, da sie mit einer schwachen Führungscrew (Rösler/Westerwelle) antritt. Zwar wird sie versuchen, auf Sachthemen zu setzen, um sich von der Union abzuheben, aber auch das wird schwierig, weil die Personen für diesen Transport fehlen.

Ich denke, dass Angela Merkel in jedem Fall Kanzlerin bleiben wird, entweder in der bisherigen Regierung oder einer erneuten großen Koalition.

Die Wahlbeteiligung wird auf dem Niveau der letzten Jahre liegen – da aktuell keine echte Richtungswahl oder eine Politikumkehr ansteht, bleibt der Trend erhalten, sprich es wird allenfalls einen geringen Rückgang der Beteiligung geben. Eine deutlich höhere Wahlbeteiligung wäre sehr überraschend.

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