Der Klügere liest rot.

Susanna

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Daniela ist 23 Jahre alt und studiert Medienwissenschaft und BWL an der Universität Tübingen. Bei utb absolviert Daniela ihr 3-monatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt“ ist also eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Daniela stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben. 

Wenn du Fragen an Daniela hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Susanna

Susanna ist 22 Jahre alt und studiert Romanistik an der Universität Tübingen im 6. Semester. Studiertier hat sie sich geschnappt und fragt…

1. Für viele ist Französisch oder Latein doch eins der schlimmsten Fächer in der Schule, was hat dich dazu gebracht genau das zu studieren?

Für mich waren Mathe, BWL und Bio die schlimmsten Fächer. Sprachen habe ich immer mehr gemocht, das war für mich sehr viel weniger Aufwand und sehr viel bessere Noten. Außerdem hat meine Mutter auch Französisch studiert und mich da immer gefördert, manchmal auch genötigt, zu lernen.

2. Sitzt man da nicht nur den ganzen Tag rum und liest Texte oder lernt Vokabeln? Wie kann man sich einen typischen Studientag von dir vorstellen?

In Französisch gibt es drei Module (Linguistik, Literaturwissenschaft und Sprachpraxis). In Sprachpraxis werden alle Seminare von Muttersprachlern gehalten und nur französisch gesprochen. Da lernt man natürlich viele Vokabeln und wenn man nicht gerade ein Referat hält oder sich welche anhört, sitzt man, wie in wahrscheinlich vielen Studienfächern, hauptsächlich rum.

In Literaturwissenschaft liest man die jeweiligen Bücher zuhause, nicht im Seminar. Dass man die Texte kennt, ist Voraussetzung, sonst kann man dem Seminar inhaltlich nicht folgen. Hier werden auch am Anfang des Semesters die Referate verteilt, die aber auf deutsch gehalten werden, wie die Seminare in Literaturwissenschaft allgemein.

In Linguistik sind die Vorlesungen teilweise auf französisch, was das Ganze schon mal erschweren kann, die Seminare sind dafür auf deutsch, z.B Altfranzösisch (französische Sprache vom 9.-12. Jhr.), weil das thematisch so komplex ist. Ein typischer Studientag ist dann eine Mischung aus Seminaren von diesen drei Modulen, langweilig wird’s also so schnell nicht.

3. Du musstest dein Latinum im Studium nachmachen und hast eine richtige Leidenschaft für die Sprache entwickelt. Was fasziniert dich denn so daran? Und wie sehr braucht man Latein wirklich noch im Studium?

Ich habe nur das (kleine) Latinum gebraucht, das große Latinum habe ich nur für mich gemacht, für mein Ego sozusagen. Einfach, um mir zu beweisen, dass ich es könnte. Das hat auch gut geklappt. An Latein hat mich beeindruckt, dass es dem Deutschen sehr viel ähnlicher ist, als es auf den ersten oder zweiten Blick scheint und dass es eine grammatikalisch komplexe Sprache ist, die man nur beherrschen kann, wenn man jede einzelne Regel und die verschiedenen Formen jedes Verbes kennt. Außerdem ist Latein, wie Cicero es gesprochen und geschrieben hat, eine sehr elegante Sprache, finde ich.

Im Studium ist Latein oder zumindest Lateinkenntnisse unerlässlich, sowohl in Französisch als auch in Germanistik. Viele Autoren, wie Nietzsche, schreiben manche Passagen auf latein, weil es sehr lange die Gelehrtensprache war und man erwarten konnte, dass die Leser latein verstanden. In Altfranzösisch geht es überhaupt nicht ohne Latein, weil man sich die Sprachentwicklung der letzten 2000 Jahre anschaut, also vom klassischen Latein übers Alt- und Mittelfranzösische bis zum heutigen Standardfranzösisch. Das stelle ich mir ohne Lateinkenntnisse unmöglich vor.

4. Das ist doch das optimale Fach für ein Auslandssemester. Hast du schon was in Planung oder vielleicht schon Auslandserfahrung gesammelt? Für wie wichtig hältst du es eine Sprache auch in dem Land zu lernen, indem sie gesprochen wird?

Sobald ich meinen Bachelor in der Tasche habe, werde ich erstmal mindestens ein halbes Jahr ERASMUS in Frankreich machen, irgendwo im Süden, wo es warm ist. Als ich nach dem Abi drei Monate in Nizza in einer Sprachschule war, habe ich sofort gemerkt, dass mein Schulfranzösisch gerade so gereicht hat, um mich zu verständigen und mir ständig die richtigen Vokabeln gefehlt haben. Nach zwei Wochen ging es aber schon viel besser, trotzdem war ich überrascht, weil ich dachte, mein Schulfranzösisch wäre ganz gut. Aber Schule und Ausland kann man wirklich nicht vergleichen. Ich finde es sehr wichtig, ins Ausland zu gehen, ganz allgemein. Dadurch bekommt man einen Einblick in die jeweilige Kultur und das Alltagsleben dort. Und man lernt, sich anzupassen, zumindest sprachlich.

5. Ein altbekannter Witz an Universitäten ist, dass alle Geisteswissenschaftler mal Taxifahrer werden - was hast du für einen Berufswunsch? Was kann man mit deinem Studium denn überhaupt anfangen?

Den Witz habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört. Ich halte das aber auch für ziemlichen Blödsinn. Je höher die (Aus-)Bildung, desto höher auch die Berufschancen. Ich habe noch keinen konkreten Berufswunsch, aber ein paar Ideen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Im Master werde ich mich dann spezialisieren, aber davor, also nach dem Bachelor habe ich vor, mindestens zwei Praktika zu machen, eventuell im Bereich Pressearbeit oder beim Rolling Stone. Aber ich studiere noch ein Semester und nach drei Jahren Studium würde ich ganz gerne den Sommer genießen und gemütlich meine Bachelorarbeit schreiben.

Was man allgemein mit meinen Studienfächern machen könnte, da habe ich mich noch nicht ernsthaft erkundigt. Mich interessiert in erster Linie, später das machen zu können, was mich persönlich auch interessiert und womit ich mich identifizieren kann. So habe ich mir das vorgestellt :)

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