Der Klügere liest rot.

Vera

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Alina ist 34 Jahre alt und studiert Philosophie im Zweitstudium. Bei utb absolviert sie ein dreimonatiges Praktikum im Marketing. Sie findet die Studiertier fragt-Idee ihrer Vorgängerinnen einfach spitze und pflegt sie gerne weiter.

„Studiertier fragt” ist eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die das Studiertier stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Studiertier hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Vera

Vera Vasylyeva-Shor hat mit 27 Jahren ihren Doktortitel bekommen und ist zurzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kristallographie an der RWTH Aachen. Das Studiertier hat ihr ein paar Fragen zu ihrem Promotionsstudium gestellt:

1. Warum hast du dich entschieden zu promovieren? Für wen ist dieser Weg geeignet? Oder kurz gefragt: Warum promovieren?

Für mich war das eigentlich eine ganz einfache Entscheidung. Ich fand mein Thema interessant, habe meinen Chef gemocht und Forschen an sich fand ich total spannend. Deswegen stand für mich gar nicht zu Debatte, ob ich die Universität verlassen soll. Promovieren ist empfehlenswert für alle, die sich für eine akademische Laufbahn entscheiden und Interesse am Forschen mitbringen. Für mich heißt Promovieren in erster Linie Forschen.

2. Gibt es optimale Promotionsbedingungen? Mit welchen Belastungen sollte man rechnen?

Im naturwissenschaftlichen Bereich muss man damit rechnen, dass man viele Experimente macht, die meistens auch nicht klappen, zumindest nicht so wie man es gerne hätte. Deswegen muss man sich damit abfinden, zahlreiche Niederlagen zu erleben. Wichtig ist dabei, die Motivation nicht zu verlieren und weiter zu machen. Die optimalen Bedingungen für eine Promotion im naturwissenschaftlichen Bereich gibt es schon deswegen nicht, weil vieles an der technischen Ausrüstung (Geräte, Labore, Verlauf der Experimente) liegt und wenig vom einzelnen Doktoranden abhängt. Nichtdestotrotz gibt es einige Momente, die eine Promotion nicht ideal, aber viel "erträglicher" machen: Gutes Arbeitsklima in der Gruppe, ein guter Doktorvater (oder -mutter). Diese Momente sind so wichtig, dass man ruhig sagen kann, die machen schon die Hälfte der ganzen Sache aus. Um möglichen finanziellen Belastungen auszuweichen, muss man sich natürlich rechtzeitig um eine geeignete Doktorandenstelle kümmern. Als eine Option gibt es Stellen am Lehrstuhl, die aus den haushaltseigenen Mitteln der Universitäten gefördert werden. Alternativ bewirbt man sich für eine Stelle, meist ebenfalls am Lehrstuhl oder Institut, die aus externen Drittmitteln finanziert wird, z.B. aus einem Projekt. In solchen Fällen ist das Thema der Doktorarbeit an das Projektthema gebunden. Die dritte Möglichkeit der Promotionsfinanzierung ist, sich um ein Stipendium zu bewerben. Diese Option macht den Promotionsstudenten nicht nur von einer Fremdfinanzierung unabhängig, sondern schenkt dem Doktoranden ein besseres Renommee.

3. Was macht einen guten Doktorvater aus?

Ein guter Doktorvater nimmt sich Zeit für seine Promotionsstudenten. Er lässt seine Doktoranden nicht alleine mit ihren Problemen stehen. Ein guter Doktorvater sagt seinem Doktoranden nicht: "Hier hast du dein Forschungsthema, den Rest darfst du selbst erledigen". Und er erwartet nicht, dass seine Doktorandin von Anfang an alles weiß. Ein Doktorand ist ein Promotionsstudent und seine Doktormutter ist dafür da, ihn zu leiten, zu motivieren, ihm das wissenschaftliche Arbeiten beizubringen, ihn zu betreuen. Zu einer guten Betreuung gehören regelmäßige Treffen, in denen man sich austauscht, Ergebnisse diskutiert, neue Ideen entwickelt oder alte umstrukturiert. Ferner sollte der Betreuer seinem Promotionsstudenten die Möglichkeit geben, möglichst viele Konferenzen zum Promotionsthema zu besuchen und eigene Publikationen zu veröffentlichen. Dies ist sehr wichtig, um neue Kontakte zu knüpfen und sich in der akademischen Welt zeigen zu können. Außerdem ist kein Doktorand mit der Fähigkeit geboren, wissenschaftliche Texte schreiben zu können. In einem naturwissenschaftlichen Studium kommt diese Kompetenz auch zu kurz. Deswegen gehört für mich die Hilfe beim Verfassen wissenschaftlicher Texte auch zu einer guten Betreuung, was nicht die Möglichkeit ausschließt, ein geeignetes Buch dazu zu lesen.

4. Muss eine Promotion immer chaotisch und stressig verlaufen oder kann man eine Promotion sinnvoll strukturieren und gut organisieren?

Ich glaube, dass "Strukturieren und Organisieren" überbewertet wird, zumindest das "große" Strukturieren. Man sollte auf jeden Fall einen groben Plan vor Augen haben, die Zeit gut managen können und gewisse Dinge planen. Gleichzeitig muss man allerdings unvorhersehbare Ausfälle einkalkulieren und flexibel bleiben. Man darf nicht die Illusion haben, dass eine gute Organisation eine Voraussetzung dafür ist, dass alles glatt läuft. Jedoch darf man nicht zu pessimistisch sein. Selbst wenn ein Experiment nicht klappt, ist das immer ein Impuls, neue Ideen zu entwickeln und die eigene Promotion weiter voran zu treiben. Deswegen darf man kleine Niederlagen nicht ausschließlich negativ betrachten. Die Antwort auf die Frage "Soll ich promovieren oder nicht?" darf man nicht von einer guten Struktur und Organisation abhängig machen.

5. Was war auf deinem Weg zur Promotion am sinnvollsten? Was hat dir am meisten geholfen, dein Ziel - den Doktortitel - zu erreichen?

Mein Promotionsthema hatte ich total gern. Man könnte es sogar so nennen: Mein Promotionsthema ist gleichzeitig mein Hobby. Ich arbeite im Bereich der Kristallographie und finde Kristalle nach wie vor faszinierend. Und ich hatte einen Superbetreuer. Diese zwei Punkte waren für mich sehr hilfreich auf meinem Weg zum Doktortitel. Kurz gesagt: Spaß darf und muss dabei sein!

6. Welche Perspektiven im späteren Berufsleben eröffnet eine Promotion?

Für eine universitäre Karriere ist eine Promotion ohne Frage eine obligatorische Zwischenstufe. Auch in der freien Wirtschaft kann ein Doktortitel einen Weg zu den anspruchsvolleren und besser bezahlten Stellen eröffnen, wie z.B. die eines Laborleiters. Allerdings sollte man vielleicht im Hinterkopf behalten, dass man sich mit einem Doktortitel nicht mehr auf einfache Stellen (wie Laborant oder wissenschaftlicher Techniker) bewerben kann.

Veras Buchtipp

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