Der Klügere liest rot.

Janina

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Megi ist 24 Jahre alt und studiert Germanistik an der Universität Mannheim. Bei utb absolviert Megi ihr 3-monatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt“ ist also eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Megi stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Megi hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Janina

Janina ist eine 24 Jahre junge Medizin-Studentin an der Uni Tübingen und sprach mit dem Studiertier über Freizeit, Durchhaltevermögen und - natürlich - Medizin...

1. Du studierst Medizin an der Universität Tübingen. Es ist ja allgemein bekannt, dass Medizin ein anspruchsvoller und v.a. zeitintensiver Studiengang ist. Wie nah bist du am Ziel? Welche Stationen liegen noch vor dir?

Das Medizinstudium dauert im Vergleich wirklich lange. Viele meiner früheren Schulfreunde haben ihr Studium bereits abgeschlossen und verdienen schon ihr eigenes Geld, aber ich muss da noch ein bisschen durchhalten. ;-) Das Studium dauert insgesamt 12 Semester, davon habe ich jetzt 10 Semester absolviert. Nach dem 2. Staatsexamen im Herbst folgen noch 2 Semester Praktisches Jahr, wo man regulär in Vollzeit im Krankenhaus mitarbeitet. Nach dem 3. Staatsexamen im Herbst 2015 folgt die Approbation als Ärztin und damit dann das Ende des Studiums.

2. War es schon immer dein Traum, Ärztin zu werden? Welche Voraussetzungen sollte man für das Medizinstudium auf jeden Fall mitbringen, um nicht sofort unterzugehen?

Durchhaltevermögen! Man muss wahrscheinlich hundertprozentig überzeugt davon sein, dass man Arzt oder Ärztin werden möchte, um den Belastungen standzuhalten.

Dabei glaube ich, dass eine gute Abinote nicht unbedingt nötig ist, sondern vor allem hohe Belastbarkeit, Ehrgeiz und die Überzeugung, dass dieser Weg genau der richtige für einen ist. Auch soziale Fähigkeiten sind angesichts der Interaktion mit den Patienten wichtig, die einem im Studium teilweise leider nicht beigebracht werden.

Am Arztberuf fand ich es schon immer toll, Naturwissenschaften und die Arbeit mit Menschen kombinieren zu können. Daher habe ich mich für dieses Studium entschieden.

3. Mit welchen Erwartungen bist du ins Studium gestartet? Hast du zwischendrin über einen Abbruch oder Wechsel nachgedacht?

Am Anfang des Studiums stand vor allem eine große Portion Idealismus. Man will Menschenleben retten und Kranke heilen. Mit der Zeit merkt man, dass man als Arzt mehr mit Gesprächstherapie und Symptomlinderung als mit "Heilung" beschäftigt ist. In Praktika lernt man dann schnell, dass ein großer Teil der medizinischen Tätigkeit vor allem aus Papierkram mit Dokumentation und Abrechnung mit der Krankenkasse besteht. Das ist natürlich erstmal ernüchternd.

Bestimmt hat aber jeder Student (auch die Nicht-Mediziner) schon mal für einen kurzen Moment über Abbruch oder Wechsel nachgedacht, ohne das wirklich ernsthaft in Betracht zu ziehen. Eine Alternative gibt es für mich eh nicht. So viel über seinen eigenen Körper und dessen Funktion zu lernen ist einfach faszinierend - manchmal zugegebenermaßen aber auch ein bisschen unheimlich.

4. Bestimmt bleibt dir wenig Zeit, nebenher noch zu jobben. Wie finanzierst du so ein langes Studium? Kannst du die Semesterferien genießen oder sind diese voll mit Prüfungsterminen?

In den ersten vier Semestern blieb mir kaum Zeit nebenher zu arbeiten. Da mussten mich meine Eltern finanziell ganz schön unterstützen. Nach dem ersten Staatsexamen habe ich mir dann im Krankenhaus eine 25%-Stelle gesucht, mit der ich meine Miete und täglichen Ausgaben weitgehend decken konnte - allerdings auf Kosten der Freizeit! In den Semesterferien absolvieren wir in der Regel Pflichtpraktika im Krankenhaus, die unbezahlt sind.

Viel Zeit für einen Ferienjob bleibt da also auch nicht. Viele müssen aus Zeitmangel oder weil die Eltern nicht so großzügig mithelfen können bereits zu Beginn des Studiums einen Studentenkredit aufnehmen, den es dann nach dem Studium abzuzahlen gilt. Der Verdienst als Assistenzarzt ist dann aber zumindest für Alleinstehende nicht schlecht, sodass die meisten den Kredit wohl mehr oder weniger problemlos zurückbezahlen können. Trotzdem ist das natürlich auch ein finanzielles Risiko.

5. Wirst du oft von Freunden um medizinischen Rat gefragt? Nervt dich das oder siehst du darin eher eine Möglichkeit, dein Wissen selbständig zu prüfen?

Natürlich gibt es dir ein gutes Gefühl, ein Symptom, über das ein Bekannter klagt, einordnen zu können. Man merkt in solchen Situationen, dass man sich im Verlauf des Studiums ein ganz schönes Wissen angeeignet hat, obwohl dies vor Prüfungen nicht immer so scheint. ;-)

Andererseits ist die Erwartungshaltung der Menschen in meinem Umfeld aber auch groß. Ein Hausarzt, der viele Jahre in seinem Beruf arbeitet, kann z.B. ohne Röntgenbild oder Urinuntersuchung auch keine definitive Diagnose stellen - wie könnte das ich dann nur durch ein bloßes Gespräch?!

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