Der Klügere liest rot.

Laura

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Saskia ist 23 Jahre alt und studiert Buchwissenschaft und Philosophie. Bei utb absolviert sie ein dreimonatiges Praktikum im Marketing. Als von Natur aus neugieriges Wesen ist sie stets an spannenden Studiengängen und dem Studentenleben anderer interessiert.

„Studiertier fragt” ist eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die das Studiertier stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Saskia hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Laura

Laura ist 23 Jahre alt, im schönen Freiburg im Breisgau studiert sie Politikwissenschaft und Geschichte. Studiertier hat sie sich geschnappt und fragt…

1. Was genau ist eigentlich „Politikwissenschaft“? Diskutierst du in deinem Studienfach fleißig über tagesaktuelle Themen oder wie genau darf man sich dein Studium vorstellen?

Viele Leute sind der Ansicht, in Politikwissenschaft würde die zukünftige Politikelite ausgebildet. Das stimmt nicht – leider. Um Politiker*in zu werden, studiert man lieber Jura oder Lehramt. Wir beschäftigen uns stattdessen viel mit Theorien: Wie und warum wird ein Gesetz verabschiedet? Wie und warum und wen wählen die Menschen? Warum hat Deutschland eine engere Beziehung mit Frankreich als mit Kurdistan? Können supranationale Organisationen wie die EU oder die UNO demokratischer gemacht werden? Was ist das eigentlich, „Demokratie“? Für aktuelle Meinungen zu Wirtschaftskrisen oder Terroranschlägen bleibt bei so viel Theorie nicht viel Zeit. Für ein Mittagsschläfchen in der Vorlesung umso mehr...

2.  Warum hast du dich für die Kombination „Politikwissenschaft“ und „Geschichte“ entschieden?

Als sozialwissenschaftliches Fach wird Politikwissenschaft hauptsächlich in Kombination mit anderen sozial-, verhaltens- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern studiert: die beliebtesten Nebenfächer neben Geschichte sind VWL und Soziologie. Daneben gibt es noch Spezialisierungen wie z.B. Islamwissenschaft oder Skandinavistik. Dass ich Politikwissenschaft studieren wollte, war klar – Geschichte kam dann noch hinzu, weil das in der Schule immer schon Spaß gemacht hat. Nach drei Jahren dieser Kombination muss ich sagen, dass sie nicht ganz so sinnvoll ist: Die Geschichtswissenschaft hat einen ganz anderen methodischen Ansatz als die Politikwissenschaft. Sie arbeitet viel deskriptiver, d.h. beschreibender: ein typischer Geschichtsaufsatz fragt „Wie war das damals?“ während ein typischer Politikaufsatz fragt „Warum war das so?“ Das kann dich ganz schön verwirren, da du zwei ganz verschiedenen Systemen genügen musst.

3.  Gerade schreibst du an deiner Bachelorarbeit und bist fast fertig mit dem Studium. Was war für dich die größte Herausforderung während dieser Zeit?

Alle Studierenden der Sozialwissenschaften müssen Statistik lernen. Das ist teils ganz schön fortgeschrittene Mathematik. Dessen ist man sich nicht wirklich bewusst, wenn man das Studium beginnt – aber es kann eine Hürde sein, da viele von uns Politikwissenschaft studiert haben, gerade um den grauenvollen Griffeln der Mathematik zu entkommen. Politikwissenschaft ist außerdem relativ breit gefächert. Bis man sich dort sein Lieblingsthema herausgearbeitet hat, dauert es. Und auf dem Weg dorthin kann man leicht über eher langweilige Themen stolpern.

 4.  Hast du noch einen Tipp, den du StudienanfängerInnen mit auf den Weg geben möchtest?

Es kann schwierig sein, damit umzugehen, dass ihr jetzt plötzlich ganz viel Freiraum habt, privat wie auch im Studium. Da kann eine Deadline plötzlich schon morgen sein, ohne dass man es merkt. Es ist daher wichtig, von Anfang an feste Ziele zu setzen: bis Montag habe ich all diese Texte zusammengefasst. Bis Samstag habe ich das Handout entworfen. Und so weiter...  

5.  Noch eine Frage zum Fach Geschichte: Wenn du in die Vergangenheit reisen könntest, welches historische Ereignis würdest du gerne hautnah in der ersten Reihe miterleben und warum?

Weniger ein Ereignis, mehr ein Zustand. Ich wäre furchtbar gern am Hof der Großkhane nach dem berühmten Dschingis Khan in Karakorum anwesend gewesen. Das war so ein richtiger Schmelztiegel: die Mongolen entführten Künstler, Handwerker und Wissenschaftler aus allen möglichen Teilen der Erde und zwangen sie, in Karakorum zu arbeiten. (Okay, manche kamen auch freiwillig. Der Ruf der Mongolen ist schlechter, als sie es wirklich waren.) Gleichzeitig wurden die Arbeiter gut bezahlt und durften ihre Kultur frei ausleben. Dadurch entstand dort eine unglaublich pluralistische und prächtige Mischkultur – alle möglichen Kultstätten, extravagante Bauten, Architekturwirrwarr, … einfach extrem interessant.