Der Klügere liest rot.

Natalie

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Alina ist 34 Jahre alt und studiert Philosophie im Zweitstudium. Bei utb absolviert sie ein dreimonatiges Praktikum im Marketing.

Sie findet die Studiertier fragt-Idee ihrer Vorgängerinnen einfach spitze und pflegt sie gerne weiter. „Studiertier fragt” ist eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die das Studiertier stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen.

Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben. Wenn du Fragen an Studiertier hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Natalie

Natalie Boos ist 24 Jahre alt und studiert Philosophie an der Universität Stuttgart im 5. Semester. Studiertier hat ihr ein paar Fragen zu ihrem Philosophiestudium gestellt:

1. Was hat dich dazu gebracht, Philosophie zu studieren? Stimmt es, dass man um Philosophie zu studieren, ein Freak sein sollte? Kurz gesagt, warum ausgerechnet Philosophie?

Das ist auf jeden Fall keine ganz einfache Frage. Ich kam auf Umwegen zur Philosophie, weil mir am Anfang der Mut fehlte, so ein spezielles Studium im Hauptfach anzufangen. Zuerst habe ich mich für die Kombination aus Kunstgeschichte und Philosophie entschieden. Und erst nach 2 Semestern war ich soweit Philosophie als Hauptfach zu studieren. Seit der Oberstufe hatte ich den Wunsch, mich der Herausforderung zu stellen, komplexere philosophische Texte zu lesen. Gleichzeitig hatte ich aber einen großen Respekt vor dem Studiengang. Ich persönlich traf das Phänomen des `Gehirnweitens' an. Es dauerte einige Zeit, bis sich das eigene Gehirn auf sehr komplexe Texte und deren Sprache einlassen konnte und bis sich darin auch etwas herauskristallisierte. Wie der Name 'Philosophie' schon sagt, geht es um die Liebe zur Weisheit. Für mich heißt es, die Welt besser verstehen zu können, gewisse Aspekte ganz genau unter die Lupe zu nehmen, Dinge zu erforschen, Brücken zwischen den menschlichen Gedanken aus der Vergangenheit und von heute zu bauen. Natürlich auch der Frage ein Stück näher zu kommen, wie ich mich in die Gesellschaft einordne... Was das 'Freak sein' angeht...Ich konnte mich nicht für normale Studiengänge begeistern, bei denen man von Anfang an auf ein konkretes Ziel festgelegt ist. Ich empfand dieses zielgerichtete 'Studieren in ein Beruf hinein' als störend, da ein Studium für mich in erster Linie auch ein Selbststudium ist. Mit Selbststudium meine ich eine Möglichkeit oder sogar eine Notwendigkeit, sich als eigenständige Persönlichkeit weiter zu entwickeln und weiter zu bilden.

2. Das philosophische Studium ist ein Lesestudium. Bekanntlich gehören die großen Philosophen ja weitgehend zur "staubigen" Vergangenheit. Wie sieht es mit den zeitgenössischen Philosophen/Themen aus? Gibt es auch gegenwärtige spannende Lektüren?

Die Texte aus der 'staubigen' Vergangenheit sind hoch aktuell, sie finden also große Bedeutung und Anklang im Heute. Diese Tatsache wurde mir im Studium schnell klar. Das Gedankengut von damals unterscheidet sich weitgehend kaum vom heutigen Denken. Besonders spannend sind natürlich immer jene Lektüren, die von unseren eigenen Professoren oder Dozenten herausgebracht wurden. Dazu kann ich die Lektüren von Apl. Prof. Dr. Luckner empfehlen, die auch bei utb vertreten sind.

3. Viele Naturwissenschaftler werfen den Geisteswissenschaftlern vor, keine Wissenschaftler zu sein. Wie ist deine Meinung dazu? Ist Philosophie eine Wissenschaft oder nicht?

Wer sagt dies und wie lautet das Argument dazu? So könnte beispielsweise eine philosophische Gegenfrage aussehen, wenn es darum geht vorherige Zitatverwendungen zu klären, bevor man in einen gemeinsamen Diskurs tritt. Die Philosophie ist eine Wissenschaft eigenen Art und ist schwer mit anderen Wissenschaften vergleichbar. Philosophie ist auf keinen Fall eine Pseudowissenschaft wie es zum Beispiel bei Esoterik der Fall ist. Im Gegensatz dazu, beschäftigt sich die Philosophie mit objektiven Wahrheiten, objektiven Moralvorstellungen und ob solche überhaupt existieren. Mit Dingen, die relevant sind und eine Anwendung in der Welt finden. Aus meiner Sicht sollte sie eine größere Rolle, im Sinne einer Beratungsfunktion in der Politik gewinnen.

4. Wie sieht dein Uni- Alltag im Philosophiestudium aus?

Als Philosophiestudent werden Vorlesungen belegt (Frontalunterricht vor einem Professor), aber auch Seminare, welche den Studenten ganz gezielt auffordert mitzudenken, mitzudiskutieren. Das heißt, ein Seminar ist interaktiv und wird direkt vom Studenten mitgestaltet. Zu den Vorlesungen werden Tutorien (ein Tutor ist ein Student aus einem höheren Semester) belegt, die dem Studenten die Möglichkeit bieten, Fragen zu stellen, den Vorlesungsstoff noch einmal zu wiederholen und primär eigene Kenntnisse zu vertiefen. Was die Prüfungen angeht, sind das in den ersten Semestern eher Klausuren oder mündliche Prüfungen am Ende eines jeden Semesters. Doch am besten zeigt sich ein Philosoph in seinen Schriften. So werden in den späteren Semestern die Prüfungen dementsprechend angepasst und immer mehr durch schriftliche Hausarbeiten ersetzt.

5. Wie sehen deine Zukunftspläne nach dem Studium aus?

Mein Philosophiestudium dient als gesellschaftliches Handwerkszeug, das in einem aufbauenden Studium (Kommunikationsdesign) seine Anwendung findet. Das Philosophiestudium ist ein Grundlagen- oder besser gesagt ein allgemeinbildendes Studium, das mir hilft gesellschaftliche Themen gezielter einzustufen. Ganz wichtig ist für mich, zu lernen, mir eine Meinung zu bilden, eine Vorstellung von der Welt zu haben und meine Meinung/Vorstellung weiter geben zu können. Meine Meinung bildet sich, sie wird immer klarer, meine Gedanken formen sich... obwohl ich noch nicht am Ende angekommen bin.

Natalies Buchtipp

Martin Heidegger: "Sein und Zeit"

Meine persönliche Empfehlung ist das Buch meines Professors Andreas Luckner: Martin Heidegger: "Sein und Zeit"‘

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