Der Klügere liest rot.

Robin

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Anja ist 23 Jahre alt und beginnt im Herbst ein Masterstudium in Germanistik. Bei utb absolviert sie ein dreimonatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt” ist eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Anja stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Anja hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Robin

Robin ist 19 Jahre alt und studiert im zweiten Semester an der TU Braunschweig Elektrotechnik. Warum das Studium mehr als nur ein großer Formelsalat ist, hat er dem Studiertier erzählt:

1. Du studierst Elektrotechnik an der Uni Braunschweig. Warum hast du dich dafür entschieden? Aus Liebe zu Stromkabeln oder wegen der guten Jobaussichten (Stichwort „Fachkräftemangel”)?

Eigentlich war ich ‚gezwungen’ Elektrotechnik zu studieren, denn für mich war schon sehr früh klar, dass ich später etwas im Bereich der Windkraft- und Solarenergie machen möchte. Da ich aber von Sachen Universität und Studium direkt nach dem Abitur noch wenig Ahnung hatte, habe ich natürlich erst einmal nach Universitäten gesucht, die genau dieses Fach als Bachelor-Studiengang anbieten. Schon früh hab ich dann leider feststellen müssen, dass „Erneuerbare Energien” fast ausschließlich ein Masterstudiengang ist mit der Grundlage Elektrotechnik im Bachelor. Wegen des guten Rufs der TU Braunschweig habe ich mich dann schließlich für diese Universität und diesen Studiengang beworben.

2. Muss man für das Studium der Elektrotechnik in der Schule in Physik und Mathe ein Ass gewesen sein? Was sollten Erstsemester unbedingt mitbringen?

„Ass” ist ein wenig übertrieben, da ich auch mit Kommilitonen zusammenarbeite, die weder Physik noch Mathe als Leistungskurs, geschweige denn gute Noten darin hatten. Ich merke aber auch, dass es genau diesen Studierenden schwer fällt, in „Mathematik 1 für Ingenieure” beziehungsweise „Physik 1”, logische Zusammenhänge zu erkennen, die die Lösung der Aufgaben deutlich erleichtern. Deshalb sollte ein Erstsemester unbedingt mathematische und physikalische Grundlagen beherrschen, da man sonst wirklich droht im Studium unterzugehen, denn Elektrotechnik besteht zu etwa 80% aus genau diesen Fächern.

Zudem muss ein Student der Elektrotechnik volle Motivation mitbringen, denn nicht in jedem Studiengang ist es so ‚gechillt’ wie viele behaupten. In Elektrotechnik hat man einen prall gefüllten Vorlesungs- und Tutorienplan, dazu einige Praktika. Vor allem im ersten Semester kann man schon einmal in Zeitnot geraten, da man schon mal von 8:00 bis 20:00 Uhr in der Universität hockt. 

3. Wie ist das Studium aufgebaut? Nur trockene Theorie oder schraubst du auch mal an Maschinen herum?

Ich kann nicht abstreiten, dass das Studium sehr theoriegebunden ist aber dennoch liegt es an jedem selbst, wie viel man vom Gelernten in die Praxis umsetzt. Einerseits besteht das erste und zweite Semester aus Pflichtpraktika, die benotet werden. Da muss man anfangs ein Kolloquium absolvieren und anschließend mit einem Tutor Versuche zum Themenbereich Elektrotechnik (z. B. Wechselstromversuche etc.) durchführen.

Andererseits bietet vor allem die TU Braunschweig viele studentische Initiativen, um die Elektrotechnik kreativ einzusetzen. Nur ein Beispiel: Im Lions-Racing Team Braunschweig designen und bauen Studenten aus allen Semestern über ein Jahr hinweg einen „Formula 1 Rennwagen”. Mit diesem gebauten Rennwagen nimmt der studentische Verein dann an der „Formula Student” teil, bei der Universitäten aus ganz Deutschland zusammenkommen und gegeneinander antreten. Der bestentwickelteste Motor, sowie die schnellste Rundenzeit eines Rennwagens werden mit Preisen belohnt.

4. Du hast nach dem Abi direkt mit dem Studium angefangen – bereust du, dass du nicht für ein Jahr was anderes gemacht hast (FSJ, work and travel, …) oder nutzt du das Studium als Sprungbrett ins Ausland?

Eigentlich bin ich nach dem Abi sogar schon für ein Projekt im Ausland angenommen worden: die LKJ-Sachsen-Anhalt hatte mir eine Mitarbeit an einem Projekt in Ghana angeboten. Die Aufgaben dort entsprachen aber nicht meinen Interessen, weshalb ich dieses Angebot dann doch ablehnen musste.

Ich gebe zu, dass ich lange Zeit darüber nachgedacht habe, ob ich diese Entscheidung später nicht doch noch bereue und stattdessen direkt studieren gehe. Jetzt im zweiten Semester meines Studiums wird mir aber klar, dass ich genauso gut die Elektrotechnik als Sprungbett ins Ausland nutzen kann, denn mit Partneruniversitäten in Asien, Amerika und Europa stehen mir viele Türen offen, ein Auslandssemester absolvieren zu können. Bisher bereue ich es keineswegs, direkt nach dem Abitur mit meinem Studium angefangen zu haben.

5. Viele Unternehmen beklagen sich, mit einem Bachelorstudium seien Absolventen nicht ausreichend für die beruflichen Herausforderungen gewappnet – ist deine Antwort ein anschließendes Masterstudium oder geht’s gleich nach dem Abschluss auf Jobsuche?

Wie schon gesagt, mein eigentliches Ziel war die Energietechnik. Da diese sowieso nur im Masterstudium angeboten wird, ist meine Antwort eigentlich schon klar. Dass sich viele Unternehmen über Bachelorabsolventen beklagen, ist mir nicht neu, und jetzt im Studium merke ich auch immer wieder, dass vor allem der Bachelor beinahe nur auf die Vermittlung theoretischer Grundlagen abzielt.

Klar, man hat Pflichtindustriepraktika und andere Einblicke in die Berufswelt schon im Bachelorstudium – aber dennoch höre ich öfters von Masterabsolventen in Braunschweig, dass erst im Masterstudium das Gelernte in praxisorientierten Seminaren richtig veranschaulicht wird. Deshalb werde ich auf jeden Fall ein Masterstudium im Bereich der Energietechnik anhängen und (sofern mein Schnitt ausreicht) hoffentlich auch an der TU Braunschweig bleiben können.

Robins Buchtipp

Technik Erneuerbarer Energien

Dieses Buch setzt sich mit den verschiedenen Formen der Nutzung erneuerbarer Energiequellen auseinander. Dabei werden auch Themen wie biogene Festbrennstoffe, Treibstoffe auf Pflanzenölbasis sowie Energie aus Abfall behandelt. Ziel dieses Buches ist es, neben Grundlagenwissen über die behandelten Energieformen und Technologien sowie deren wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zu vermitteln.

Der Titel erscheint im September 2015.

Du bist ebenfalls Student/in und suchst nach der passenden Lektüre für dein Seminar oder für die Prüfungsvorbereitung? Dann besuche uns auf http://www.utb-shop.de/