Der Klügere liest rot.

Yvonne

Interviews mit Studenten: Studiertier fragt

Unser Studiertier Anja ist 23 Jahre alt und beginnt im Herbst ein Masterstudium in Germanistik. Bei utb absolviert sie ein dreimonatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt” ist eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Anja stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Anja hast oder selber vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Studiertier trifft Yvonne

Yvonne ist 21 Jahre alt und studiert an der HAW Hamburg „Bildung und Erziehung in der Kindheit“. Mitten im zweiten Semester hat sich Yvonne Zeit für das neugierige Studiertier genommen…

1. Du studierst „Bildung und Erziehung in der Kindheit”. Was ist das Besondere an diesem Studium? Wäre ein klassisches Lehramtsstudium nichts für dich gewesen?

Das Besondere an diesem Studium ist die Vielfalt, die die Qualifikation der „Staatlich anerkannten Kindheitspädagogin” bietet. Ich habe über Jahre hinweg an dem Gedanken des Lehramtsstudiums festgehalten, dann jedoch festgestellt, dass mir persönlich der Lehrerberuf zu „festgefahren” ist. Als Kindheitspädagogin stehen mir hingegen einige Türen offen, sodass sowohl Ganztagsschulen und Kitas, als auch Einrichtungen wie Elternschulen, Familienberatungsstellen und das Jugendamt potentielle Arbeitgeber wären. Darüber hinaus habe ich erkannt, dass mir nicht nur die Förderung und Bildung von Kindern am Herzen liegt, sondern besonders das Helfen in schwierigen Lebenssituationen, wie zum Beispiel die Verarbeitung eines Verlustes.

2. Bestimmt musstest du dir schon das eine oder andere Mal den Vergleich mit dem Ausbildungsberuf der Kindergärtnerin anhören – was antwortest du in solchen Fällen?

Oh ja. Diese Frage fällt sehr oft und es ist jedes Mal schwierig darauf zu antworten, ohne den ErzieherInnen das Gefühl zu geben, sie und ihren Beruf abzuwerten. Generell sind die Tätigkeiten einer Erzieherin und die einer Kindheitspädagogin sehr ähnlich, jedoch geht unsere Arbeit noch ein Stück darüber hinaus: Neben der Möglichkeit, Leitungspositionen einzunehmen, liegen unsere Schwerpunkte vor allem in der Bildungsberatung und -forschung.

Ein weiterer Unterschied liegt bei den Adressaten: Während die ErzieherInnen eine breite Ausbildung erfahren und sowohl mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und behinderten Menschen eines jeden Alters arbeiten, sind Kindheitspädagogen auf die Kindheit von 0 – 14 Jahren spezialisiert. Jedoch gibt es auch hier Differenzierungen, da sich der Studiengang „Frühkindliche Bildung und Erziehung”, wie er zum Beispiel in Kleve angeboten wird, auf das Alter von 0 – 8 Jahren konzentriert.

3. In pädagogischen Studiengängen sind meist mehr Studentinnen als Studenten eingeschrieben. Ist das bei dir auch so oder hält sich da nur ein hartnäckiges Klischee?

Dass in pädagogischen Studiengängen mehr Studentinnen als Studenten zu finden sind, ist ganz und gar nicht nur ein Klischee: Bei Studienbeginn waren von 80 Studierenden 71 weiblich und 9 männlich. Gespräche mit Freunden, die in anderen Städten ebenfalls Pädagogik studieren, stützen diese Aussage, da auch dort nur wenige männliche Studenten eingeschrieben sind.

In der Praxis spiegelt sich dieses Verhältnis ebenfalls wider, da kaum Männer in pädagogischen Einrichtungen (vor allem Kitas) arbeiten. Für Kinder spielt jedoch auch der Kontakt zu männlichen Bezugspersonen eine zentrale Rolle in ihrer Entwicklung, sodass hier noch einiges getan werden muss, um mehr Männer ins Boot zu holen – ein entscheidender Aspekt ist da die Bezahlung.

4. In deinem Studiengang ist ein Auslandssemester „ausdrücklich erwünscht” – hast du dir schon eine Weltkarte geschnappt und Stecknadeln an Wunschorte gesetzt oder bleibst du lieber im schönen Hamburg?

Hamburg ist eine tolle Stadt, aber ein Auslandssemester möchte ich mir nicht entgehen lassen. Das Besondere an der HAW ist der hohe Praxisanteil von 180 Stunden pro Semester. Diese Stunden werden in der Regel parallel zum Studium geleistet, sodass ein enger Theorie-Praxis-Bezug besteht, der unserer ständigen Reflexion dient. Um uns dennoch die Chance eines Auslandssemesters zu bieten, besteht im 5. Semester die Möglichkeit, das Praktikum zu verblocken, d.h. an einem Stück zu absolvieren. Sollte es finanziell keine Probleme darstellen, werde ich diese Chance wahrscheinlich wahrnehmen, da ich viele Vorteile in einem Auslandsaufenthalt sehe: Sei es das Kennenlernen einer neuen Kultur und deren Umgang mit pädagogischen Themen oder das Vertiefen einer Fremdsprache.

Unsicher bin ich mir derzeit noch darüber, ob ich im Ausland studieren oder ein Praktikum absolvieren möchte. Bezüglich des Praktikums reizen mich besonders die skandinavischen Länder, da diese im Bereich „Bildung und Erziehung” Vorreiter im europäischen Raum sind. Der Sprache wegen würde ich jedoch sehr gerne nach England gehen, um das britische Englisch weiter zu vertiefen. Ich denke, ich werde in naher Zukunft alle Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und bin selbst gespannt, wie meine Wahl dann ausfallen wird.

5. Möchtest du nach deinem Bachelor-Studium noch den Master dranhängen oder lockt dich der Ruf der Praxis?

Da dieser Studiengang erst seit einigen Jahren (in Hamburg seit 2007) existiert, ist der Titel der Kindheitspädagogin noch relativ unbekannt und nicht weit verbreitet. Daher ist es momentan schwierig, auf dem Arbeitsmarkt unserer Qualifikation entsprechend Fuß zu fassen, zumal es keine eigene Tarifgruppe gibt. Unter anderem aus diesem Grund, vor allem aber auch, um meine Kompetenzen und den Kreis der Adressaten unserer Arbeit zu erweitern, interessiere ich mich derzeit für den Masterstudiengang „Soziale Arbeit”. Damit könnte ich u.a. meine im Bachelorstudiengang gewonnenen Kenntnisse über die Arbeit mit Kindern von 0 – 14 Jahren auf Jugendliche ausweiten und so mein Tätigkeitsfeld erweitern.

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